Victoria Kent und das Frauenwahlrecht

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Victoria Kent und das Frauenwahlrecht

Victoria Kent

Robert

Victoria Kent war eine bedeutende Persönlichkeit in der Geschichte Spaniens und hat eine äußerst interessante und beeindruckende Lebensgeschichte: Sie schaffte es als Tochter eines Textilhändlers und einer Hausfrau ein Rechtsstudium abzuschließen und verschaffte sich Respekt in der von Männern dominierten Gesellschaft. Als eine der ersten Frauen zog sie für die Sozialistische Partei ins Parlament ein und war eine klare Gegnerin des Frauenwahlrechts, da sie glaubte, dass Frauen noch nicht bereit seien zu wählen. Während des spanischen Bürgerkrieges und des Zweiten Weltkrieges musste ins Exil fliehen und gründete in New York die Zeitschrift „Ibérica“.

  • Victoria Kent, Tochter eines Textilhändlers und einer Hausfrau war sehr engagiert und schloss 1924 ein Jurastudium ab, was für Frauen zu dieser Zeit sehr ungewöhnlich war.
  • Als erfolgreiche Verteidigerin des Revolutionärs Álvaro de Albornoz vor dem Militärgericht machte Victoria Kent sich einen Namen in ihrem von Männern dominierten Milieu.
  •  Die engagierte Politikerin der Sozialistischen Partei war eine der erbittertsten Gegnerinnen der Einführung des Frauenwahlrechts, da sie die weibliche Bevölkerung von den Männern noch zu bevormundet sah.
  • Im Exil in Frankreich während des Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkrieges half sie Spaniern bei der Flucht ins Ausland und übersiedelte selbst nach dem Krieg nach Mexiko und später nach New York, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachte.

Viktoria Kent wurde kurz vor der Jahrhundertwende, am 3.März 1898 in Malaga, Spanien, geboren. Ihr Vater, Jose Kent Roman war ein Textilhändler und ihre Mutter, Maria Gonzalez Siano, Hausfrau. Mit 19 Jahren zog sie nach Madrid, wo sie drei Jahre lang die Oberstufe des „Instituto Kardinal Ciseros“ besuchte. Sie wurde dabei von ihrer Mutter und ihrem Vater, der dank seines Berufes viele hilfreiche Kontakte geknüpft hatte, unterstützt. Während ihres Aufenthalts in Madrid wohnte Victoria Kent in einem Mädcheninternat.

1920 inskribierte sich die junge lerneifrige Victoria Kent an der Hauptuniversität von Madrid an der Fakultät für Recht. Victoria unterrichtete während ihres Studiums an einer Schule, um sich ihr Studium finanzieren zu können. Im Juni 1924 schloss sie ihr Jurastudium ab und hatte schon bald ihren ersten Auftritt als Staatsanwältin vor Gericht.

Sie wurde aufgrund des Prozesses von Álvaro de Albornoz, einem Mitglied des revolutionären Republikaner Komitees vor dem Obersten Gerichtshof berühmt, denn sie schaffte es als erste Frau der Welt vor einem Militärgericht einen Freispruch für ihren Mandanten zu erringen und ging damit die spanische Geschichte ein.

Victoria Kent stand ein steiler Karriereanstieg bevor: Schon 1931 wurde sie vom ersten Präsidenten der Zweiten spanischen Republik, Alcala Zamora zur nationalen Gefängnisdirektorin ernannt. In dieser Funktion versuchte sie, das Leben der Häftlinge zu verbessern und die Wiedereingliederung der Häftlinge in die Gesellschaft zu erleichtern.

Sie trat der Radikalen Sozialistischen Partei bei und wurde am 16.Februar 1936 ins Parlament gewählt. Als eine von nur drei weiblichen Abgeordneten im Parlament war es besonders brisant, dass Victoria Kent das Wahlrecht für Frauen strikt ablehnte. Sie vertrat die These, dass die spanische Gesellschaft noch nicht für das Frauenwahlrecht breit sei, da Frauen noch zu sehr unter dem Einfluss von Männern stünden.

Als der Spanische Bürgerkrieg 1936 ausbrach, floh sie nach Frankreich und engagierte sie sich von dort aus für die Evakuierung von spanischen Kindern nach Russland. Kurze Zeit danach brach der Zweite Weltkrieg aus und Victoria Kent musste eine falsche Identität annehmen, da Frankreich von Hitlerdeutschland besetzt wurde und sie unter ihrem richtigen Namen gefährdet gewesen wäre. Das Rote Kreuz stellte ihr zu dieser Zeit eine Wohnung zur Verfügung wo sie den autobiografischen Roman „Vier Jahre in Paris“ verfasste.

Nach dem Zweiten Weltkriege wanderte Kent nach Mexiko aus, wo sie an der Universität Strafrecht lehrte, bis sie 1949 in die Vereinigten Staaten übersiedelte. In New York setzte sie sich für die Verteidigung von Sozial- und Menschenrechten ihrer Mitmenschen ein und gründete die Zeitschrift „Ibérica“, in der sie Nachrichten aus Spanien für spanische Exilanten in den Vereinigten Staaten  veröffentlichte.

1977 reiste sie Spanien, verblieb aber bis zu ihrem Tod im Jahre 1987 in New York.

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