Religion und Kirche in Spanien

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Religion und Kirche in Spanien

Religion und Kirche in Spanien

Anna

Nach wie vor spielt die Religion in Spanien eine groβe Rolle. Auch wenn der Einfluss der katholischen Kirche auf der Iberischen Halbinsel mehr und mehr in den Hintergrund rückt, so gibt doch allein die enorme Anzahl an sakralen Sehenswürdigkeiten in Spanien Aufschluss darüber, welch wichtige Rolle die Religion in Spanien immer gespielt hat und zum Teil noch immer spielt: Die Erhaltung der kirchlichen Bauwerke und Gebäude in Spanien wird aus öffentlichen Mitteln finanziert und Bräuche und Feste wie die Prozessionen der Semana Santa sind offiziell als Kulturgüter von besonderem Interesse anerkannt. Die groβe Anteilnahme der Bevölkerung an diesen lebendigen Sitten und die Erhaltung der Heiligenverehrungen zeugen von der besonderen Verbindung der Spanier zu religiösen Traditionen.

Die Christianisierung der Iberischen Halbinsel wurde nicht zuletzt stark von der Präsenz anderer Religionen in Spanien, vor allem der muslimischen bzw. auch in der Folge von deren Bekämpfung verstärkt. Nachdem im Rahmen der islamischen Expansion arabische Völker während beinahe acht Jahrhunderten Zeichen der kulturellen Blüte des Islam und Spuren ihrer Religion in Spanien hinterlassen haben, setzten christliche Völker bereits ab dem 8. Jahrhundert alles daran, um auf der Iberischen Halbinsel wieder die Vorherrschaft zu gewinnen. Diese in der Geschichtsschreibung als Reconquista bezeichnete kriegerische “Rückeroberung” endete im Jahr 1492 mit dem Sturz des letzten muslimischen Reiches, des Emirats von Granada.

Nicht zuletzt die Neuentdeckung des amerikanischen Kontinents im selben Jahr durch Christoph Columbus, der im Dienst der spanischen Krone war, stärkte das Selbstvertrauen der „katholischen Könige“ Isabella I. und Ferdinand II. sowie das ihrer Nachfolger. Die Intoleranz gegenüber Andersgläubigen machte in einer Zeit, in der in ganz Europa Glaubenskriege geführt wurden, vor Spanien nicht halt, ganz im Gegenteil: Jüdische Bewohner wurden per Dekret aus dem Land verbannt und Muslime wurden im Laufe der folgenden Jahrzehnte ebenfalls vertrieben oder aber gezwungen, zum Christentum überzutreten. Darüber hinaus wurde bereits zuvor mit der Einführung der spanischen Inquisition ein gnadenloses Machtinstrument geschaffen, das den Bund zwischen Staat und Kirche manifestierte und erst 1834 nach über drei Jahrhunderten abgeschafft wurde. Der Einfluss der katholischen Kirche als dominierende Religion in Spanien blieb dennoch bestehen.

Eine kurze Unterbrechung von wenigen Jahren erfuhr die Vorherrschaft der katholischen Religion in Spanien Anfang des 20. Jahrhunderts während der Regierungszeit Manuel Azañas. Der Kirche wurden unter Anzaña Steuerfreiheit und finanzielle Zuwendungen gestrichen. Weiters waren Reformen, wie die Einführung des Scheidungsrechts oder die Abschaffung der Ordensschulen in diesem Sinn genauso als antikirchliche Haltungen zu verstehen und verdeutlichen einen seiner berühmtesten Leitsätze: „España ha dejado de ser católica“ – „Spanien ist nicht mehr katholisch“.

Doch schon wenige Jahre danach, während der Diktatur Francos, war der Katholizismus erneut offizielle Staatsreligion Spaniens und somit oberste moralische Instanz. Erst nach der Diktatur wurde deren ideologischer Status durch die konstitutionelle Trennung von Kirche und Staat offiziell aufgehoben.

Heute sind noch etwa 70 Prozent der spanischen Bevölkerung katholisch, wenn auch ein wesentlich geringerer Prozentsatz den Glauben tatsächlich praktiziert. Das anfangs erwähnte Festhalten an traditionellen Feierlichkeiten sowie an an einer Vielzahl an kirchlichen Feiertagen in Spanien steht also in einem Widerspruch zum Rückgang des Glaubens. Finanziert wird die Kirche in Spanien aus allgemeinen öffentlichen Mitteln. Zusätzlich gibt es, ähnich dem System in Italien, eine Art Kirchen- und Kultursteuer, deren Zweckbestimmung von jedem einzelnen Steuerpflichtigen festgelegt werden kann, d.h. man kann wählen, ob der Betrag von 0,7 % des Einkommes der Kirche oder anderen sozialen oder kulturellen Zwecken zukommen soll.

Bedeutende Minderheiten anderer Religionen in Spanien sind Protestanten, Muslime, Buddhisten und Orthodox-Gläubige. Spanien sichert seinen Bürgern, wie jeder Mitgliedsstaat der Europäischen Union, Religionsfreiheit zu. Damit verbunden ist ein Recht auf Religionswissen. In der Grund- und Oberstufe der Schulen muss in Spanien Religion verpflichtend unterrichtet werden, wobei die Schüler jedoch auch ein Alternativfach wählen können.

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