
Pia Prost
In den ersten Monaten des Jahres finden in Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens, zwei überaus wichtige und kulturell aufregende Ereignisse statt, zum einen die Semana Santa und zum anderen die Feria de Abril.
Die Karwoche um Ostern, in Spanien Semana Santa genannt, spielt in Sevilla, eine bedeutende Rolle. Vom Palmsonntag bis Ostersonntag finden in der ganzen Stadt religiöse Prozessionen der Reue von einer Vielzahl an Bruderschaften (Hermandades) statt, ins gesamt an die 60 Stück. Der Ursprung dieser Tradition in Spanien ist im 16. Jahrhundert zu finden, als der erste Marquis von Tarifa nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land einen Kreuzweg mit mehreren Stationen einrichtete.
Ein typischer Prozessionszug (auf Spanisch: cortejo) gliedert sich in verschiedene Abschnitte, die meist typische Reihenfolge lautet wie folgt Vorweg wird das Cruz de Guía (Leitkreuz) geführt und eröffnet damit den Kreuzzug, darauf folgen die Nazarenos del Cristo, die erste Gruppe von Büßern. Als nächstes wird von den so genannten Costaleros der erste Paso (Paso del Cristo) getragen; 40-50 Personen tragen auf ihren Schultern eine tischähnliche Konstruktion, auf der die Leidensgeschichte Jesu dargestellt wird. Darauf folgt die nächste Gruppe von Büßern, die Nazarenos de la Virgen, diese unterscheiden sich lediglich durch ihre Kleidung von der ersten Gruppe. Im Anschluss folgt der zweite Paseo, der zugleich die Prozession abschließt. Auf diesem wird ein Bildnis der Jungfrau Maria, bedeckt von einem Baldachin, dargestellt. Viele der Büßer begleiten die Prozession barfuß als Zeichen des Leidens, da sich die Prozessionen oft über mehrere Stunden hinziehen.
Die Prozessionsstrecken der verschiedenen Bruderschaften sind weitgehend unterschiedlich, da jede Bruderschaft in ihrer eigenen Kirche startet und quer durch die Stadt zieht. Eine bestimmte Strecke ist jedoch bei allen Kreuzzügen obligatorisch, diese beginnt in der "Calle Campana" und führt bist zur großen Kathedrale von Sevilla, erst mit dem Auszug der Prozession aus der Kathedrale ist dieses Stück beendet. Als vollständig beendet gelten die Bußzüge erst mit der Rückkehr in die eigene Kapelle der Bruderschaft.
Der wichtigste Tag für die Prozessionen ist Karfreitag und die Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag. Die ganze Nacht finden ausschließlich im Kerzenlicht Prozessionen mit den meist verehrtesten Heiligenfiguren statt.
Ziemlich genau zwei Wochen nach den wohl wichtigsten religiösen Feiertagen für Sevilla, findet ein weiteres, international bekanntes Großereignis statt. Eine Woche lang wird die Feria de Abril auf einer großen Freifläche etwas außerhalb der Stadt zum Treffpunkt für Jedermann. Der Auftakt dieses Spektakels findet in der Nacht von Montag auf Dienstag mit dem "el Alumbrao" statt, wobei eine halbe Million von Lampions und Lichtern zum Leuchten gebracht werden. Auf dem Festgelände werden Buden aufgestellt wo gegessen, getanzt und vorallem der regional bekannte "rebujito" getrunken wird (Manzanilla-Wein mit Limonade).
Die Mehrzahl der Buden ist in Privatbesitz, daher darf man diese nur auf Einladung des Eigentümers betreten. Es gibt allerdings auch einige öffentlich zugängliche Buden wo man sich ohne Probleme unter das Volk mischen kann. Eine weitere Attraktion ist die so genannte "Calle del Infierno" (Höllenstraße), die Vergnügungsmeile der Feria wo sich zahlreiche Fahrgeschäfte finden lassen, sowie die Stierkämpfe – sofern man sich dafür interessiert.
Ein besonderes Highlight dieser Tage sind die traditionellen Flamenco-Trachten der einheimischen Frauen und die traditionellen Anzüge der Männer. Der Abschluss des Frühlingsfestes wird gekrönt durch ein pompöses Feuerwerk.
